Renaissance 2.0 - Dædlænds

Der Kampf gegen die Reichen und Regierenden geht weiter:


2020

Im Folgenden findet ihr jeweils einen Teaser zu den aktuellen Kapiteln des in Arbeit befindlichen Romans

Kapitel 1


  "Nein", antworte Jikav auf die Frage des Kommandanten. "Ich werde nicht mit Ihnen kommen. Ich habe noch eine Mission, die ich erfüllen muss."

  "Ich verstehe", erwiderte Gentis und nickte kurz mit dem Kopf. "Ich hatte allerdings wirklich gehofft, Sie würden uns begleiten."

  "Sie werden es schon schaffen, die Renegaten anzuführen. Was sie brauchen ist nur ein wenig Selbstvertrauen, um aus Kaziirs Schatten zu treten."

  Der Kommandant nickte erneut, während er Jikav mit nur mäßiger Überzeugung anschaute. Selbstvertrauen. Aus dem Schatten treten. Der Junge hatte gut reden. Kaziir war nicht nur eine Anführerin gewesen, sie war eine Legende. Es ihr gleichzutun war völlig unmöglich. Er musste seinen eigenen Weg finden. Und das machte Gentis Angst. Der junge Renegat legte ihm die Hand auf die Schulter, worauf hin der Kommandant ihm in die Augen schaute. Keiner von beiden sprach ein Wort, doch jeder verstand den anderen nur zu gut.

  Das Geräusch eines aufheulenden Motors unterbrach die emotionale Situation. Beide schauten sich um. Die Amazone, welche Jikav hierher gebracht hatte, war auf ihre Maschine gestiegen und raste nun mit hoher Geschwindigkeit davon. Ihre Aufgabe würde nicht leicht sein, da sie den Tod einer der ganz Großen der Kriegerinnen zu verkünden hatte. Welche Auswirkungen dies haben würde, konnte sich Jikav sehr wohl vorstellen. Dazu musste er nur in die Augen von Tandra sehen, die nicht nur eine Schwester der Amazone war, sondern auch noch ihre Lebenspartner. Für sie war es doppelt schwer, den Verlust zu ertragen.

  Tandra hatte sich von der Gruppe zurückgezogen, nachdem sie mit anhören musste, dass Kaziir mit größter Wahrscheinlichkeit unter einem Haufen Schutt und Beton in der zerstörten Biosphäre Nuhåven begraben lag. Eine Welt brach für sie zusammen. Kaziir war über lange Jahr ein Leitfaden für sie gewesen. Sie hatte sich immer um Tandra gekümmert, ihr beigebracht, wie man überlebt. Sie war es, welche die junge Frau mit zu den Renegaten nahm und ihr durch die Ausbildung half, wenn sie aufgeben wollte.

Kapitel 2


  Nachdem sich die Renegaten wie auch die Amazonen und sogar eine große Anzahl von Bewohner der ehemaligen Biosphäre in einer beeindruckenden Gedenkfeier von Kaziir verabschiedet hatten, war es auch für Jikav an der Zeit sich seinerseits von den Renegaten zu verabschieden. Ein letztes Mal sprach er Gentis Mut zu, schüttelte ihm die Hand und wendete sich dann zum Gehen. Weit kam er jedoch nicht, denn Thevog stellte sich ihm so plötzlich in den Weg, dass er beinahe in ihn gerannt wäre. Der Junge schaute Jikav mit großen Augen an. Der Renegat wusste sofort, was er von ihm wollte. Doch was sollte er mit dem Jungen anfangen während seiner Reise durch die Dædlænds und später in Akem?

  "Jikav", sagte der Junge. "Ich werde mit dir kommen."

  "Ich kann deine Beweggründe gut verstehen, Thevog. Der Weg nach Akem wird jedoch alles andere als leicht. Du bist für so etwas nicht trainiert. Und was soll ich dann mit dir in Akem anstellen? Ich werde nicht die Zeit haben, mich um dich zu kümmern."

  "Das weiß ich. Und ich verstehe, dass du glaubst, ich wäre für eine solche Mission nicht geeignet. Aber da irrst du dich. Ich habe schon ganz andere Dinge überstanden."

  Jikav musste bei diesen Worten lächeln. Genaugenommen war er damals, als er den Renegaten beitrat, auch nicht um so vieles älter, als der Junge. Und trotzdem hatte er alles überstanden. Er hob den Kopf und sein Blick ging in die Ferne. Innerlich wägte er das Für und Wider ab. Thevog hatte auf jeden Fall seine Vorteile, die er mehrfach unter Beweis gestellte. Er konnte ihm in vielen Dingen sehr nützlich sein. Sein technisches und auch physikalisches Wissen war enorm. Auf der anderen Seite konnte es passieren, dass er durch Jikav in Gefahr geriet. Die Bitte von Thevog brachte den Jugendlichen in einen derartigen Zwiespalt, dass er einfach keine Entscheidung treffen konnte.

  "Lass ihn uns doch begleiten", ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihm. "Ich denke wirklich, es steckt mehr in Thevog, als man auf den ersten Blick glauben möchte", führte Tandra ihren einleitenden Satz aus.

  "Das bedeutet, du möchtest mich auch begleiten?", fragte Jikav ein wenig überrascht.

Kapitel 3


  "Wie soll es jetzt weiter gehen?", fragte Tenju die Anführerin der Liga. Ysana blieb stehen und betrachtete sich den zerstörten Stadtkern von Nuhåven, als würde dort die Antwort liegen. Es dauerte einige Zeit, bis sie sich zu ihrem Nachrichtenoffizier umdrehte. Sie schaut ihn nachdenklich an, schwieg aber weiterhin. Dann wanderte ihr Blick zu dem kleinen Haufen, der hinter dem Telepathen stand.

  "Kannst du noch mehr von unseren Leuten finden?", war ihre Gegenfrage.

  Tenju schloss die Augen und ließ den Kopf sinken. Seine Atmung wurde langsamer und regelmäßig. Dann drehte er sich langsam im Kreis, als hätte er etwas verloren, das er jetzt suchen würde. Schließlich öffneten sich seine Augen wieder und er schaute zu Ysana herüber.

  "Es gibt noch einige schwache Hirnströme von anderen Mutanten. Ich kann sie aber nicht genau genug lokalisieren, um uns dort hinzuführen."

  "Kannst du ihnen sagen, wo wir uns befinden und das sie sich hierher begeben sollen?"

  "Das kann ich. Ich glaube allerdings, dass sie es nicht schaffen werden. So schwach, wie ihre Gehirnströme sind, denke ich, dass sie im Sterben liegen."

  Erneut schaute Ysana auf die kleine Gruppe von neun jugendlichen Männern und Frauen. Sie waren über dreißig Mutanten gewesen, als sie das Kloster verlassen und den Krieg begonnen hatten. In der Stadt selbst schlossen sich ihnen dann noch einige wenige Mutanten an, von denen zuvor niemand etwas gewusst hatte. Jetzt waren sie nur noch eine Hand voll. Müde, enttäuscht und traurig winkte sie den Überlebenden, näher zu kommen. Jeder von ihnen war verdreckt, hatte Hunger, einige waren verletzt, andere einfach nur am Ende oder alles zusammen.

  "Es gibt in den Dædlænds eine alte Industrieanlage, in der sich eine große Anzahl von Mutanten versteckt hält. Wir werden dort hingehen, unsere Armee wieder aufstocken und dann weiter auf Capitis vorrücken. Auf dem Weg dort hin gibt es noch einige weitere Städte, in denen die Sturmredner ihre Internierungslage eingerichtet haben. Wir werden auch diese Mutanten befreien. Zu Hunderten werden wir auf die Hauptstadt zuwandern und sie uns zum Ausgangspunkt unserer großen Renaissance machen, die Welt zu verändern. Keiner, der sich uns in den Weg stellt, wird überleben. Das sind wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig."

Kapitel 4


  Nachdem Misuk den anderen unmissverständlich deutlich gemacht hatte, dass sie die Gruppe begleiten würde, hatte sie diese einige Stunden angeführt. Besser gesagt, sie lief kommentarlos vor ihnen her.

  "Eins muss man diesem Mädchen lassen", flüsterte Jikav Tandra zu. "Sie ist sehr selbstsicher."

 "Meintest du nicht vielleicht eher, dass sie von sich eingenommen ist. Ich finde ihr Verhalten ziemlich überheblich. Manipulativ."

  "Als wüsste sie etwas, das wir nicht wissen", ergänzte Thevog missbilligend.

  "Sie tut nur so, als wüsste sie mehr. Das meinte ich mit manipulativ. Ich habe bei meinen Verhören diese Technik oft eingesetzt", sagte Tandra.

  "Und sie funktioniert sehr häufig", ergänzte Jikav.

  "Haltet ihr mich für so blöd, dass ich darauf hereingefallen wäre?", protestierte jetzt Thevog. "Ich habe doch gar nicht behauptete, dass sie mehr weiß."

  "Und wir haben nicht gesagt, dass du gutgläubig wärst", wendete Tandra seine Kritik ab.

  "Das klang aber so", brummte Thevog beleidigt.

 Misuk bekam von dem ganzen Gespräch nichts mit. Zumindest reagierte sie nicht auf die offensichtliche Kritik an ihrer Person. Unverdrossen führte sie die Gruppe weiter an. Wenn Akem nicht die nächst möglichste Station gewesen wäre, die ein Überlebender von Nuhåven aus angesteuert hätte, wäre Tandra oder Jikav wahrscheinlich erstaunt gewesen, das dieses junge Mädchen die Richtung kannte, in die sie wollten. So ließen sich die beiden jedoch nicht beeindrucken.

  "Wir sollten langsam nach einer Unterkunft für die Nacht suchen", schlug Jikav vor. "Es wird in ein paar Stunden dunkel und hier draußen wird es dann auch sehr kalt."

  "Ich sehe mir die Gegend mal auf meinem Comtab an. Gentis hat mir kurz vor der Abreise noch den aktuellen Zugang zu den Daten freigeschaltet."

  "Was für Daten?", wurde Jikav neugierig.

 "Navigationsdaten, Sicherheitszonen, Gefahrenbereiche und so weiter", kommentierte Tandra tonlos. Dann schaute sie weiter auf den kleinen Kommunikator und seinen Bildschirm, der jetzt eine Art Landkarte der Umgebung anzeigte. Die Renegatin drehte sich etwas, um den Kompass auf dem Display nach Norden auszurichten. Von Zeit zu Zeit schaute sie auf und verglich die Landkarte mit der Realität. Dann, nach einigen Minuten, steckte sie das Gerät wieder ein und zeigte mit der Hand in eine Richtung, direkt auf Misuk, die bereits etwas mehr als hundert Meter weiter war. Tandra stockte. Nach einigen Sekunden der Ratlosigkeit drehte sie sich zu Jikav um.

  "Was ist?", wollte der wissen.

 "Warum geht dieses Mädchen genau in die Richtung, die ich gerade für uns ausgemacht habe?" Jikav schaute die schlanke, junge Frau an, verstand aber kein Wort.

  "Wie meinst du das?"

  "Ich habe mich gerade auf dem Comtab orientiert und ein kleines Dorf in unserer Nähe ausgewählt und sehe dann, wie dieses Mädchen genau auf dieses Dorf zuhält."

Kapitel 5


  "Ich habe sie gefunden", verkündete einer der Telepathen aus den Reihen der Sturmredner. "Sie kann noch nicht weit sein." Der Älteste drehte sich neugierig zu dem Mann um und schaute ihn fragend an.

  "Wen haben sie gefunden?"

  "Die Hexe. Ich weiß jetzt ungefähr, wo sie ist und was sie vorhat."

 "Die Hexe lebt?", fragte der Älteste erstaunt. Er hatte gehofft, dass sie bei der Katastrophe endgültig ums Leben gekommen sei. Doch das war dann wohl nur ein Wunschtraum gewesen. Sie lebte und konnte somit ihr Gift weiterhin verbreiten. Das musste verhindert werden.

  "Wo genau ist sie?", fragte er den Telepathen barsch, der ein wenig zusammenzuckte.

  "Das kann ich leider nicht so exakt sagen. Aber vielleicht können die anderen Telepathen mit mir zusammen den Standort triangulieren."

  "Versuchen Sie das. Wir müssen dem Mädchen habhaft werden und sie von ihrem Vorhaben abhalten, die Menschen zu unterjochen."

  "Das sehe ich genauso", erwiderte der Mann und eilte davon die anderen beiden Gedankenleser zu finden. Dabei hielt er dauerhaft Kontakt zu Ysana, die offensichtlich noch nichts davon gemerkt hatte. Hoffentlich würde sie das auch nicht, dachte der Mann ängstlich. Er konnte sich viele Gegenmaßnahmen der Mutantin ausmalen, die vermutlich sehr schmerzhaft oder gar tödlich für ihn sein würden.

  Es dauerte eine gewisse Zeit, bis die drei Telepathen sich sicher waren, wo Ysana zu finden sei. Sofort teilten sie dem Ältesten ihre Vermutung mit, der daraufhin seine Truppe zusammenrief, um der Hexe zu folgen.

  "Konnten Sie noch etwas in Erfahrung bringen? Zum Beispiel, was sie plant?"

  "Sie hat an eine alte Industrieanlage gedacht, wo sich weitere Mutanten aufhalten sollen."

  "Eine Industrieanlage, sagen Sie", grübelte der Älteste.

  "Ja, sie hat die Informationen aus einigen Akten."

  "Den Akten", wiederholte der Älteste etwas zu laut. "Verdammt. Wie ist sie da nur herangekommen? Nicht einmal ich hatte Einsicht in die Akten des Obersten. Und sie weiß anscheinend alles darüber. Das darf doch wohl nicht wahr sein", fluchte er weiter.

  "Dann wissen Sie nicht, wo sich diese Anlage befindet?", fragte der Telepath ungläubig nach.

  "Nein. Diese Akten sind immer nur für die Obersten bestimmt. Niemand sonst kennt ihren Inhalt."

  "Dann müssen wir schleunigst zu einer anderen Einheit der Sturmredner und den Obersten dort befragen", regte der Mann an.

  "Das wäre auch mein Plan, wenn ich den wüsste, wo sich der nächste Standort befindet. Denn auch das steht nur in den Akten der Obersten." Der Telepath und seine zwei weiblichen Mitstreiter blickten den Ältesten erwartungsvoll an. Doch der verzog nur schmerzhaft die Miene.

Kapitel 6


  "Ich denke, wir sind angekommen", meinte Jikav, als sie den Scheitelpunkt des kleinen Bergkamps erreicht hatten und sich die Stadt in dem dahinter liegenden Tal offenbarte.

  "Das ist Akem?", fragte Tandra ungläubig zurück.

  "Laut deiner Landkarte auf dem Comtab ist es das. Warum fragst du?"

  "Sieht irgendwie anders aus, als ich in Erinnerung habe."

  "Du warst schon einmal hier?" Jikav war ein wenig erstaunt, da Tandra nichts dergleichen zuvor gesagt hatte.

  "Nein. Aber irgendwie erinner ich mich an die Stadt."

  "Ganz sicher? Oder verwechselst du da vielleicht eine Stadt mit der anderen?"

  "Keine Ahnung. Aber Akem sagt mir etwas und ich bin mir sicher, dass der Ort früher einmal anders ausgesehen hat. Ich glaube, er war eine Biosphäre wie Nuhåven." Tandra legte die Stirn in Falten und dachte darüber nach, wieso sie das wusste oder glaubte zu wissen.

  "Du hast vollkommen recht", ertönte Thevogs Stimme aus dem Hintergrund. "Akem hatte früher einmal eine Kuppel. Ich bin verwundert, dass sie nicht mehr da ist. Zumal es überhaupt keinen Sinn ergibt, ein derart vor der schädlichen Umwelt schützendes Gewölbe zu entfernen."

 "Ich erkenne da schon eine Logik", korrigierte Jikav den Jungen. "Seht euch nur die rauchenden Schornsteine an. Die produzieren Kohlenmonoxid das sich sonst unter der Glocke gesammelt hätte."

  "Du meinst, die verwenden Kohlekraftwerke wie in den Jahren des anfangenden Industriezeitalters?", empörte sich Thevog. "Das ist doch unverantwortlich."

  "Unverantwortlich schon. Aber wenn es die einzige Möglichkeit ist zu überleben, dann macht man sich darüber keine Gedanken."

  "Und da die Regierung immer noch nicht den vollständigen Ausstieg aus der Kohleverbrennung zur Energiegewinnung beschlossen hat, dank der Kohlebonzen, die Mår-quell finanzieren, kann Akem dies auch völlig legal tun", mischte sich jetzt Misuk in das Gespräch ein.

  "Lasst uns weiter gehen. Ich will zum frühen Nachmittag in der Stadt sein. Glaubst du, die Renegaten haben für uns eine Unterkunft?", wollte Jikav von Tandra wissen. Doch die war immer noch viel zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, um zu antworten.

  Jikav ging an ihr vorbei und legte dabei seine Hand flach auf ihren Rücken. Tandra gab dem leichten Druck nach und bewegte sich vorwärts. Misuk und Thevog folgten ihnen in einem kurzen Abstand.

Kapitel 7


  Völlig erschöpft betraten der Älteste und seine Gruppe die Stadt. Sie waren den gesamten Tag durch im Eilschritt unterwegs gewesen, um Akem noch vor der Nacht zu erreichen. Dem Video in der Willkommenszone hörten sie kaum zu. So sehr waren sie von der Reise ausgelaugt. Nachdem sie sich endlich frei in der Stadt bewegen konnten, suchten sie zunächst nach einer Gaststätte oder etwas, das dem glich. Auf mehrfache Nachfragen in der Bevölkerung erreichten sie eine der staatlichen Essensausgaben, die es in großer Vielzahl hier gab. Eine weitere Institution, welche die Bevölkerung ihrem Gottkaiser zu verdanken hatte und die sie sehr schätzen. Auch die Sturmredner waren jetzt mehr als dankbar für diese Einrichtung. Jeder von ihnen nahm eines der unterschiedlichen Essen entgegen und verspeiste es an den bereitgestellten Tischen. Während dessen besprachen sie das weitere Vorgehen, was darin gipfelte, zunächst einen Plan der Stadt zu finden, um darin nach möglichen, geeigneten Gebäuden zu suchen, in denen sich die Sturmredner aufhalten könnten.

  "Optimal wäre wohl ein Gelände am Rande der Stadt, welches kaum Beachtung erlangt. Eine stillgelegte Fabrik oder eine alte militärische Anlage."

  "Das ist richtig", kommentierte der Älteste. "So wie es allerdings aussieht, gibt es weder das Eine noch das Andere hier." Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete er sich den überaus detaillierten, öffentlichen Stadtplan. Mit dem Finger fuhr er bestimmte Bereiche ab und schüttelte immer wieder den Kopf.

  "Wenn es hier wirklich eine Basis von uns gibt, weiß ich nicht, wo diese sein könnte. Jede Ecke dieser Stadt wird ausgiebig genutzt. Kein verlassener oder vergessener Ort, den wir wahrnehmen könnten", murmelte er vor sich hin.

  "Vielleicht hat es hier auch nie einen Ort der Sturmredner gegeben", unterbrach eine Frau aus der Gruppe den Ältesten.

  "Sie mögen da recht haben, meine Liebe. Trotzdem kann und will ich mir nicht vorstellen, dass wir uns hier nicht niedergelassen haben. Akem ist durch seine Industrie derart dreckig und unwirtlich, dass sich kaum einer von der Regierung hierher verirren würde."

  "Wenn man sich verstecken will, ist man dort am sichersten, wo einen jeder sehen kann", philosophierte eine weitere Frau leise zu sich selbst.

  "Was sagten Sie?", fragte der Ältest nach.

  "Wo würden sie am ehesten nach jemanden such? Natürlich überall dort, wo sich die Person verstecken kann. Und wo würden Sie am wenigsten suchen?"

  "Überall, wo man ihn sehen kann", antwortete der Älteste leise und beeindruckt.