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Summerwine

Ein Martinique St. Claire Roman

  In den letzten Tagen hatten sich dicke Wolken über den Pyrenäen zusammengezogen, die keinen Sonnenstrahl mehr durchließen. Lediglich vereinzelte grelle Blitze erhellten den Tag unter der schwarzen Wolkenmasse. Mit einem lauten Knall schlugen sie in den Boden ein. In dieser Region schien die Welt unterzugehen und alles mit sich nehmen zu wollen, was jemals hier existiert hatte. Unglaubliche Regenmassen hinterließen an einigen Stellen große Seen, die nicht im Boden versickern wollten, weil dieser schon völlig übersättigt war. Die Berge in der Ferne verschwammen mit den tief hängenden Wolken zu einer einzigen schwammigen, schwarzen Masse. Man wurde das Gefühl nicht los, hier würde etwas höllisches, endgültiges passieren. Armageddon. Vielleicht war all dies nur der Anfang von etwas viel Größerem.

  Ein einzelner weinroter Volkswagen Passat CC kämpfte sich in langsamen Tempo auf der verlassenen Bundesstraße durch die schier undurchdringlichen Wassermassen. Das Licht der Scheinwerfer reichte nicht einmal 10 Meter, dann wurde es von der Dunkelheit verschluckt. Vorsichtshalber hatte der Fahrer auch noch die Nebelscheinwerfer und -rückleuchten eingeschaltet. Wie in einer Blase aus schwarzer Watte bewegte sich der Wagen vorwärts. Während sich vor ihm das Unwetter teilte und das Fahrzeug durchließ, schloss es sich hinter dem Wagen wieder und ließ ihn verschwinden. Manchmal schlingerte er, wenn das Fahrzeug durch ein besonders tiefes, mit Wasser gefülltes Schlagloch fuhr. Die Scheibenwischer waren auf höchste Geschwindigkeit gestellt und hatte große Mühe dem Fahrer auch nur den geringsten Durchblick zu verschaffen.

Jetzt auch in jeder Buchhandel erhältlich.

  Plötzlich ging alles ganz schnell. Jemand sprang über das kleine Gitter, das den Altar vom restlichen Raum der Kirche trennte, riss St. Claire und Rouche zu Boden und rannte wie der Teufel den Mittelgang runter zur Tür, die sich gerade zu schließen begann. Saunière hatte sein Werk noch nicht ganz beendet, als die Person mit voller Wucht auf die Türen traf, die mit einem lauten Knall gegen die Außenmauern schlugen. Saunière wurde von dem Druck mitgerissen und fiel seitlich auf den Boden. Er konnte nur noch einen kurzen Blick auf das Gesicht erhaschen, dann war er allein. Wenige Sekunden später tauchten auch St. Claire und Rouche auf. Rouche blickte die Straße entlang, während St. Claire auf den am Boden liegenden Saunière schaute. Der grinste entschuldigend zurück und zuckte mit den Schultern.


  Ein Unbekannter war in die Kirche von Rennes-le-Chateau eingedrungen und hatte den Templern ihr Allerheiligstes gestohlen: das geheime Dossier. Martinique St. Claire, seines Zeichens Geheimagent und 3. Senneschall der Tempelritter, folgt der Spur durch mehrere Länder und stößt dabei auf einen Gegener, mit dem er nicht gerechnet hatte. Wird er es noch rechtzeitig schaffen, das Eigentum der Templer zu finden und die Welt vor dem Chaos zu schützen?

Am vierten Tag kam Bewegung ins Spiel. Genau genommen, gab es Bewegungen zwischen dem Hafen und der Yacht. Mehrere Männer in Abendgarderobe wurden von Schiffen abgeholt und zur Summerwine gebracht. So wie es aussah, gab es dort eine Party. St. Claire beeilte sich zurück in sein Hotel zu kommen, sich umzuziehen und wieder rechtzeitig im Hafen zu sein, bevor das letzte Boot ablegte. Er schaffte es gerade noch, sich in die wohl letzte Gruppe einzuschleusen, und an Bord gehen zu können. Beim näher kommen konnte er bereits eine Vielzahl von Gästen an Deck ausmachen. Das Schiff selbst war festlich beleuchtet. Die Lampen und Lampions spiegelten sich auf der Wasseroberfläche wie kleine Sterne. Nacheinander kletterten sie die Leiter hoch. St. Claire versuchte sich in der Mitte der Gruppe zu halten, was aus taktischen Gründen geschah, die sich schon bald als erfolgreich erweisen sollten. Als er an der Reihe war, begrüßte man ihn freundlich und fragte nach seiner Einladung. Hastig suchte er seinen Smoking ab.

"Ich bitte um Entschuldigung. Ich muss Sie in der Eile im Hotel liegen gelassen haben. Ich stehe aber mit Sicherheit auf der Gästeliste."

St. Claire würde es nicht leicht haben hier heimlich unter Deck zu kommen. Geduldig wartete er auf die passende Gelegenheit. Aber die würde nicht kommen, wenn ihm nicht bald etwas einfiel.

Eine ältere Dame von circa siebzig Jahren kletterte gerade schwerfällig an Bord. Nervös und hektisch haderte sie mit ihrer Handtasche und dem Gleichgewicht. Schließlich fiel sie ihr runter, wobei sich der Inhalt an Deck verteilte und durch den Wellengang hin und her rollte. St. Claire sprang ihr zur Seite und sammelte die Utensilien wieder auf.

"Das ist aber reizend, junger Mann", sagte sie sichtlich hoch erfreut. "Vielen lieben Dank."

"Das ist doch selbstverständlich. Darf ich Ihnen weiter helfen?", fragte er charmant und bot ihr dabei seinen Arm an, den sie auch sogleich nahm. Dann lenkte sie ihre Schritte ins Innere des Schiffes. Dabei lamentierte sie über den Nachteil, dass Cyraneau tagein, tagaus auf diesem Boot leben würde. Alles würde sich hier abspielen. Sogar die gesellschaftlichen Anlässe. Und dabei hasste sie doch Schiffe. Wenn man sie umbringen wolle, sollte man ihr eine dreimonatige Kreuzfahrt schenken. Das wäre die Hölle für sie.

Während sie weiter redete, begab sich das ungleiche Paar immer tiefer an Bord der Yacht. Die beiden Angestellten an der Reling konnten nichts dagegen tun. Der eine war noch mit den nachfolgenden Gästen beschäftigt, der andere wollte unter gar keinen Umständen einen Krawall heraufbeschwören. Es blieb ihm nichts weiter übrig, als Cyraneau zu einer späteren Stunde über den ungebetenen Gast zu informieren. Das sollte aber noch dauern, da der Strom der Gäste kein Ende nahm. Per Funk informierte er seine Kollegen, die sich unter die Anwesenden gemischt hatten und für Ordnung sorgen sollten.

St. Claire war dies nur Recht. Die alte Dame an seinem Arm öffnete ihm jede nur erdenkliche Tür. Er hatte große Schwierigkeiten sich all die Namen zu merken von den Leuten, die sie ihm vorstellte. Einige von ihnen waren St. Claire bekannt. Aus der Presse und aus den Akten des DGSE.

  Am Palast angekommen wurde er den Wachen am Eingangstor, so wie den Mitarbeitern in der Küche als Kontrolleur der Lebensmittel- und Lieferfirma vorgestellt. Auf diese Weise konnte sich St. Claire etwas ungehinderter bewegen. Keiner würde sich wundern, wenn er beim Ausladen nicht mithelfen würde. Er begleitete die erste Palette und die Mitarbeiter in den Lagerraum, wo er sich dann von ihnen trennte, nachdem er eine 'Kontrollmessung' vorgenommen hatte. Von den Bauplänen, die sie in Barrains Büro studiert hatten, wusste er, in welcher Richtung er sich bewegen musste. Trotzdem dauerte es etwas, bis er den Fahrstuhl fand, der etwas versteckt in einer Ecke eingebaut war. Der Schlüssel brachte ihn in den gewünschten unterirdischen Bereich. Von hier aus musste er blind weiter, da Barrain keinerlei Unterlagen von der ehemaligen Baufirma erhalten konnte, die mittlerweile Pleite gegangen war.

  Vom Fahrstuhl aus gab es nur zwei Möglichkeiten, rechts oder links. Beide Seiten wiesen keine Besonderheiten aus. Aus dem Bauch heraus entschloss er sich, den linken Gang zu wählen. Die erste Tür, auf die er stieß, führte zu einem Flur, auf den sieben weitere Türen endeten. An drei dieser Türen waren Namensschilder angebracht. Die Namen passten zu den Personen, die Barrain ihm beschrieben hatte. Einer klang russisch, der Zweite deutsch und der Dritte konnte syrischer Abstammung sein. Das Schild an der letzten Tür in der Mitte überraschte ihn jedoch ein wenig: N. E. Rest stand dort. Für den Augenblick überlegte er, in die Räumlichkeiten einzudringen. Entschied sich dann jedoch zunächst dagegen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er eine knappe halbe Stunde schon unterwegs war. St. Claire verließ den kurzen Flur und trat auf den Ersten heraus, von dem er gekommen war. Links herumging es weiter.

  Die Sonne blendete ihn, sodass er für einige Sekunden stehen blieb. Mit der freien Hand holte er seine Sonnenbrille aus der Jacke und setzte sie auf.

  Plötzlich traf ihn etwas unterhalb des Schultergelenkes und durchdrang seinen Körper. Der Schlag ließ ihn herumfahren und sich um die eigene Achse drehen, bevor er auf das harte Pflaster fiel. Dunkelheit umgab ihn.


Die Menschen auf dem Platz flüchteten in alle Richtung. Lediglich fünf Personen blieben stehen und sahen sich um. Zwei von ihnen, ein Mann und eine Frau, rannten wenig später auf das kürzere Gebäude des ägyptischen Basars zu und verschwanden darin. Ein weiterer Mann griff nach seinem Handy. Eine andere Frau und noch ein Mann liefen auf St. Claire zu. Der Mann kniete sich neben den Seneschall, während die Frau sich um eine Person hinter diesem kümmerte, die ebenfalls zu Boden gegangen war. Mit zwei Fingern suchte sie nach einem Puls, fand jedoch keinen. Die Kugel, die St. Claire durchdrungen hatte, hatte den Mann als Abpraller von der Straße in der Brust getroffen und ihn sofort getötet. Die Frau wandte sich von ihm ab und kam zu dem Mann, der sich um den Seneschall kümmerte. St. Claire stöhnte vor Schmerz. Dabei blickte er den Mann aus dem Augenwinkel an. Der nickte kurz, stand auf und sah sich um. Seit dem Schuss waren kaum vierzig Sekunden vergangen. Der Platz war leer gefegt. Nur der Mann mit dem Handy stand noch an seiner Position. Er sprach immer noch. Seine Stimme war ungewöhnlich ruhig dabei. Weitere fünfundzwanzig Sekunden später hörte man Schüsse aus dem Inneren des Basars. Menschen schrien auf und rannten panisch aus dem Gebäude. Eine knappe Minute danach trat das Pärchen wieder ins Freie, das zuvor in den Basar geeilt war. Die Frau sah kurz zu St. Claire herüber, der immer noch auf dem Boden lag. Dann verschwand sie zusammen mit dem Mann in der Menge.

Rezensionen,

Lohn des Autors und Hilfe für den Leser

Beate Majewski


4,0 von 5 Sternen St. Claire und die Suche nach Summerwine


Rezension aus Deutschland vom 18. Februar 2020


Format: Kindle Ausgabe


Ein sehr französisch angehauchter Krimi mit historischem Flair. Interpol, illegale Kunstgegenstände, Männer in Kutten und geheimnisvolle Handlungen erzeugen die nötige Spannung . Viele verschiedene Schauplätze in einigen Ländern erzeugen das Gefühl Spionage.
Das Ende ist etwas überraschend und nicht ganz mein persönlicher Geschmack, dennoch passend und gut durchdacht.
Der Satz " ich bin ihr Henker " hat im letzten Drittel die Spannung nochmals angekurbelt.


Originalrezension:

https://www.amazon.de/review/RC57M33MGDTK2/ref=pe_1604851_66412761_cm_rv_eml_rv0_rv?fbclid=IwAR2aO7che0ZNqW1MfATqWmxF98ZMqWVYhwISEksck7UiBTuK2UUBFpvi34o



Meine Leser Meinung / Rezension zu dem Kriminellen Roman von Christian Jesch


Für Leser die französische Charaktere mögen, genau die richtige Mischung aus Land, Leute, Kultur, historische Elemente und ein spannender Fall , oder eine Suche


Originalrezension:

https://www.facebook.com/groups/1675459156106992/permalink/2510148099304756/

Verschwörung mal anders


von Bianca Klemm (Buchbloggerin) aus Mannheim am 14.04.2020


  Das geheime Dossier wurde entwendet und eigentlich ist mehr oder weniger die ganze Welt auf der Suche nach genau diesem. Hier spielt auch St. Claire eine große Rolle. So richtig in die Karten lässt sich dieser Mann nicht schauen. Aber dieser Mann kennt sein Ziel und weiß genau, wie er dieses erreichen kann. Dabei trifft er auf Gegner, die ihm mindestens ebenwürdig sind, vielleicht auch manchmal leicht überlegen. Und St. Claire versteht es auch sich seine Feinde zu Freunden zu machen. Dieser Mann ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Begleiten wir St. Claire auf seine Schnitzeljagd nicht nur quer durch Europa und lassen wir uns überraschen, ob er die Welt retten kann, bevor diese im Chaos versinkt.

  Natürlich möchte ich es mir nicht nehmen lassen noch ein paar eigene Eindrücke zu hinterlassen. Das Buch lässt sich mehr als gut lesen. Einmal angefangen, kann man es nur noch schwer aus der Hand legen. Die Handlung ist spannend und immer wieder passieren Dinge, mit denen der Leser nicht rechnen kann oder vielleicht auch nicht rechnen will. Eine Jagd um ein Dossier, welches eigentlich jeder haben will. Das eröffnet Möglichkeiten. Als Leser hat man jederzeit das Gefühl mitten drin zu sein. An der einen oder anderen Stelle steigt auch der Puls. Der Autor versteht es hierbei auch sehr gut den Leser immer mal wieder auf die falsche Fährte zu schicken. Das Ende ist einfach mal anders. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Ich kann hier ohne Bedenken 5 Sterne vergeben!


Originalrezension:

https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID147705504.html

Newtons Vermächtnis

Ein Katrin Russo Roman

  Endlich, nach einer ganzen Weile, erhob sich die Kreatur zu ihrer vollen Größe, schlug den Umhang zurück und gab den Blick auf die volle Montur eines Tempelritters frei. Katrin holte vor Schreck tief Luft, was den Templer für einen kurzen Augenblick innehalten ließ. Dann holte er einen kleinen Beutel hervor, schüttete dessen Inhalt in die rechte Hand, um diesen anschließend in einer ausladenden Bewegung auf dem Boden vor der Wand zu verteilen. Danach griff er erneut unter seinen Mantel und förderte ein kleines Fläschchen hervor, dessen Inhalt er ebenfalls mit der gleichen Handbewegung auf dem Boden verteilte. Dann räumte er alles zusammen und wendete sich in Richtung Katrins Säule. Die versuchte nun, mit jedem Schritt des Templers, der ihn näher an sie heranbrachte, um die Säule herumzurutschen, sodass diese immer zwischen ihm und ihr war. Doch da hatte Katrin die Rechnung ohne die Kirchenbänke gemacht. Irgendwann stieß sie mit ihrem Rücken gegen das Mobiliar und musste einsehen, dass sie nicht mehr weiter konnte. Dem Ritter war dies offensichtlich vollkommen klar, denn er schritt um die Säule herum, bis er vor ihr stand. Katrin sah jetzt keinen Grund mehr, wie ein verschrecktes Kaninchen auf dem Boden zu hocken. Auffordernd stellte sie sich hin und gab ihrem Gegenüber zu verstehen, dass sie keine Angst hatte, was natürlich nicht stimmte.Der Templer blickte sie durch sein Helmvisier an und lachte kurz auf.

  Katrin Russo wollte eigentlich nur ein paar unbeschwerte Tage mit ihrem Bruder in seinem Anwesen in Schottland verbringen. Doch als sie eines Nachmittags neben seiner Leiche aufwacht und sich kaum an etwas erinnern kann beginnt eine grausame Zeit für die Archäologin und Bibelforscherin. Zusammen mit einem angeblichen Freund ihres Bruders sucht sie nach der Ursache für dessen Ermordung und stößt dabei immer tiefer in die Mysterien von Rosslin und unbekannten Schaffen von Isaac Newton vor. Kann Katrin den wahren Täter wirklich finden? Zu viele Gruppen scheinen daran beteiligt zu sein.

  Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Einfahrt zum Abbotsford House, lehnte ein Schatten einige Meter entfernt im Gestrüpp an einem Baum. Mit Sorge betrachtete er den Polizeiwagen, der von Melrose kommend rechts in die Auffahrt zum Anwesen einbog. Schnell überquerte der Schatten die Straße und bog wenige Meter nach der weißen Holzschranke in den das Anwesen vor fremden Blicken schützenden Wald, durch den er bis zum Haupthaus lief. Dort angekommen, stellte er sich hinter einen Baum in der dritten Reihe und beobachtete das Geschehen. Die beiden Beamten sprachen mit Katrin, wobei er kein Wort der Unterhaltung verstand. Schließlich verabschiedeten sich die Polizisten wieder. Wenig später erschienen Katrin und Alan, die das Haus verließen, um mit Katrins Volkswagen wegzufahren. Der Schatten blickte den beiden nachdenklich hinterher. Schließlich, als der Schatten sicher sein konnte, dass niemand mehr in der Nähe war, überquerte er den Vorhof und begab sich auf die Rückseite des Gebäudes. Doch bevor er dort ankam, hörte er Reifen, die den Schotter unter sich laut knacken ließen.

  "Michael hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine Doktorarbeit über die Entstehung der Freimaurer zu schreiben. Dabei ging er verschiedenen Thesen nach, die unter anderem behaupten, die eigentlichen Ursprünge der Freimaurerei und deren geheimnisvollem Verhalten würde aus den Zeiten der alten Ägypter oder aber der Tempelritter stammen. Ich kann Ihnen sagen, fragen Sie zehn Experten nach dem Ursprung und der Entstehung der Freimaurer und Sie erhalten zwölf verschiedene Antworten. Michael hatte sich da ein wirklich schweres Thema ausgesucht, das nicht so leicht zu bearbeiten war. Gerade, was die alten Ägypter und die Tempelritter angeht hatten wir einige schräge Typen dabei, die nicht mit mystischen Verschwörungstheorien geizten."

  "Seit wann arbeitete Michael an dieser Doktorarbeit?", fragte Katrin jetzt neugierig. Er hat mir gegenüber nie etwas davon erwähnt."

  "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, er hat vor drei oder vier Monaten damit angefangen, die ersten Informationen zu sammeln. Zusammen mit seinem Doktorvater hat er dann zunächst die Spreu vom Weizen getrennt und sich nur auf die Informationen bezogen, die man historisch nachvollziehen konnte."

  "Wer war sein Doktorvater", unterbrach Katrin.

  "Lance Garner. Ein Geschichtsprofessor an der Napier University in Edinburgh. Ich kenne ihn schon seit einigen Jahren. Er ist so ein richtiger Vatertyp. Immer sehr hilfsbereit, immer sehr väterlich. Ich denke, die beiden haben sich super verstanden. Vielleicht wäre es angebracht, wenn wir in den nächsten Tagen zu ihm fahren und ihn über die neue Situation informieren."

  Während der gesamten Fahrt beschäftigte sie sich mit ihrem Handy mit dem sie versuchte, die unbekannten Schriftzeichen zu entziffern, welche sie auf der Brust des Toten, nach dem Bericht im Fernsehen, entdeckt hatte. Zunächst vermutete sie, dass es sich, wie bei ihrem Bruder, um die Templer-Chiffre handeln würde. Doch es stellte sich schnell heraus, diese Zeichen sahen nur ähnlich aus, waren jedoch ganz anders. Mithilfe von Google und einigen Suchbegriffen, wie Geheimschrift oder Kryptografie, durchsuchte sie das Internet nach einer Antwort. Endlich stieß sie auf einen Artikel bei Wikipedia, an dessen Ende einige Links aufgeführt waren. Unter anderem wurde dort auf eine Seite verwiesen, die sich Kryptografiespielplatz nannte. Nach kurzer Suche fand sie unter der Rubrik Schriften nicht nur die ihr bereits bekannte Chiffre der Templer, sondern auch eine Chiffre der Freimaurer. Diese beiden Geheimschriften wiesen eine relativ hohe Ähnlichkeit auf, sodass man denken konnte, sie würden voneinander abstammen. Katrin suchte nach einem Stück Papier und einem Stift, um dann innerhalb kürzester Zeit die Schriftzeichen zu übersetzen. Ein wenig verstört blickte sie auf das Ergebnis, welches nun auf dem abgerissenen Stück Zeitung stand: BAPHOMET.

  "Was hat das denn jetzt schon wieder zu bedeuten?", fragte Alan und verzog sein Gesicht zu einer ärgerlichen Miene.

  "Baphomet war, nach Angaben der Inquisition, ein Dämon, den die Tempelritter angeblich in Form eines Totenschädels anbeteten. Dass dem so war, konnte jedoch nie nachgewiesen werden. Die Ankläger stützten sich lediglich auf Aussagen von Templern, die diese Behauptung unter der Folter bestätigten. Einige haben sie später widerrufen, andere wiederum haben nie wieder darüber gesprochen. Es scheint jedoch im Großen und Ganzen nur eine Lüge der Inquisition gewesen zu sein, um die Verhaftung der Tempelritter zu begründen. Natürlich haben die gefolterten Menschen alles gestanden, was die Inquisitoren hören wollten und haben noch vieles dazu erfunden, nur um dem Flammentod zu entkommen."

  "Trotzdem verstehe ich nicht, was Baphomet und Luzifer gemein haben. Oder soll dies vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass die katholische Kirche etwas mit den Morden zu tun hat. Ich meine Luzifer und Baphomet sind zwei Dämonen, die von der Kirche erfunden wurden, um die Menschen zu demütigen."

  "Falsch", sagten Andrew und Katrin wie aus einem Mund. Sofort hielten beide wieder inne und warteten darauf, dass der andere weiter sprach.

  "Aber natürlich ist das der Dämon, den die Templer angebetet haben sollen. Schauen Sie doch mal genau hin. Entweder stellt es Luzifer dar oder eben Baphomet. Welche anderen gehörnte Wesen kennen Sie denn sonst noch aus der Bibel und was ist mit den zwei Reitern auf einem Pferd, die ich bei unserem ersten Besuch hier in der Kirche entdeckt habe? Überlegen Sie doch mal, ein Tempelritter betet vor einem gehörnten Abbild. Welche andere Erklärung sollte es denn sonst geben?", fragte Alan, aufgeregt dadurch, dass man ihm nicht glauben wollte. Andrew machte mit der Hand in Richtung Katrin eine auffordernde Bewegung.

  "Zum einen, Alan, wird jener Baphomet nicht in der Bibel erwähnt. Und zweitens, sehen Sie doch einmal genau hin. Diese Skulptur hält zwei Tafeln in der Hand. Was sagt Ihnen das?" Da Alan schwieg, weil er mit der Frage doch ein wenig überfordert war, fuhr Katrin in ihrem Vortrag fort. "Das hier ist Moses mit den Zehn Geboten. Dass er in dieser Kirche mit Hörnern dargestellt wird, ist vollkommen korrekt. In den Anfängen des Christentums galten Hörner als so etwas wie die Antennen, über die man mit Gott in Kontakt tritt.

  In der lateinischen Vulgate-Bibel, die natürlich auch über die Ereignisse von Moses am Berg Sinai berichtet und bis zur Reformation, als die Grundlage aller Bibeln galt, wird er mit Hörnern beschrieben. Sie sehen also, erst später wurden die Hörner von den Propheten entfernt, um sie dann dem Satan aufzusetzen. Und genau das ist auch heute noch die Ignoranz der Kirche."

  Alan sah sie ungläubig an. Etwas Derartiges hatte er noch nie gehört. Trotzdem wollte er seiner Begleiterin nicht widersprechen. Schließlich war sie nicht nur Geschichtswissenschaftlerin, sondern auch eine der qualifiziertesten Bibelforscher auf der Welt. Langsam musste er begreifen, dass scheinbar alles, was mit der Kirche zu tun hatte, immer zwei Bedeutungen besaß. Luzifer und der Lichtbote Lux fer, Baphomet und die Weisheit namens Sophia, Moses mit und ohne Hörner.

  "Bitte erzählen Sie doch noch einmal ganz genau, wie sich alles zugetragen hat. Vor allem interessiert es mich, was der Templer gesagt hat. Sie hatten doch erwähnt, dass er so etwas wie ein Gebet gesprochen hat, richtig?"